Fortschritt braucht Haltung: Impulse aus Japan und Südkorea

Eine Delegationsreise mit dem Nordverbund/Nordmetall nach Japan und Südkorea zeigt, wie offen und pragmatisch dort mit neuen Technologien umgegangen wird. Im Interview schildert Lars Reeder Eindrücke aus Tokio und Seoul – von gelebter Höflichkeit bis hin zu einer bemerkenswerten Aufgeschlossenheit gegenüber KI und Robotik. Deutlich wird: Technologischer Fortschritt ist vor allem eine Frage der Einstellung – und davon kann Europa lernen.

Herr Reeder, was war der Anlass Ihrer Reise nach Japan und Südkorea?

»Der Anlass der Reise war unter anderem zu sehen, wie Japan und Südkorea dem demografischen Wandel begegnen – vor allem durch den Einsatz von Robotik und KI, sowie durch mehr Erwerbsbeteiligung von Älteren.«

Welche kulturellen Unterschiede sind Ihnen vor Ort besonders aufgefallen?


»Bemerkenswert ist die Haltung der Japaner in Hinsicht auf gegenseitigen Respekt und Höflichkeit, was in Tokyo allgegenwärtig durch die Sauberkeit und das Verhalten der Menschen zu beobachten ist.«

Gab es etwas, das Sie im Umgang mit neuen Technologien besonders überrascht hat?

»
Nachhaltig beeindruckt hat mich die positive und offene Haltung gegenüber neuen Technologien und die Selbstverständlichkeit, die Potentiale von KI und Robotik auszutesten – insbesondere in Südkorea.«

Wie würden Sie die Herangehensweise an Innovation und Regulierung in diesen Ländern beschreiben?


»Mutig probiert man aus und testet im privaten wie im industriellen Umfeld. An Regulierung denkt dabei erst einmal niemand, sondern geht angstfrei und schnell an mögliche KI-Anwendungen heran.«

Welche Rolle spielen neue Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft in Südkorea?


»Neue Technologien werden nicht primär als Bedrohung wahrgenommen, sondern als Chance und als skalierbares Werkzeug, um die Produktivität zu steigern. Südkorea hat sich vorgenommen, die Wirtschaft bis 2030 um 30 % produktiver zu machen. Aber auch das gesellschaftliche Zusammenleben hat man bei der Nutzung neuer Technologien im Blick vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft.«

Was können Deutschland und Europa aus diesen Erfahrungen konkret lernen?


»Wie können wir in Deutschland und Europa eine ähnliche Offenheit entwickeln, ohne dabei unsere Werte und Standards aufzugeben? Wie schaffen wir es, Chancen stärker in den Vordergrund zu stellen, ohne Risiken zu ignorieren?«

Was ist Ihr wichtigstes Fazit aus der Reise?


»Die Reise hat gezeigt: Technologischer Fortschritt ist nicht nur eine Frage von Know-how und Investitionen – sondern vor allem auch eine Frage der Haltung und des Wollens.«